Baustelle des Grauens / Tauchfahrt in die goldenste aller Zitronen der Architektur

Am Montag, 29.05.2017 wurde im Zuge einer Sitzung des Bauausschusses Teile des Ärztehauses besichtigt. Im Anschluss daran stellte der aktuell mit der Schadensbegrenzung beauftragte Architekt, Herr Mienert, Lösungsvorschläge vor, damit für ein Ärztehaus benötigte Funktionen hergestellt werden.

Parkdeck:

Der Auftakt zum Reigen des Staunens begann auf dem Parkplatz. Von 53 per Baugenehmigung benötigten Parkplätzen können aktuell 19 zur Verfügung gestellt werden. Die Parkplätze auf dem „Parkdeck“ des Ärztehauses sind nur durch Mitarbeiter zu nutzen, die mit den viel zu engen Fahrgassen zurechtkommen. Ein Parkplatz ist sogar so gebaut, dass ein Einparken nur für Kleinsthubschrauber, aber auf keinen Fall für ein Auto, möglich ist.

Eingang Untergeschoss:

Hier kommen schon die ersten Stufen, die einen auf die große Besonderheit dieser architektonischen Meisterleistung schon mal ganz vorsichtig vorbereiten. Das Thema Niveauunterschiede zieht sich durch das ganze Haus. Trotz der immensen Baukosten hat man die Niveauunterschiede anscheinend nirgends behoben, sondern sogar Neubauten (Fahrstuhl Webergasse ) so eingebaut, dass auch hier ein halber Meter Höhenunterschied besteht, der durch einen weiteren vollkommen untauglichen Treppenlift überwunden werden muss.

Will man durch den Eingang Untergeschoss in das Untergeschoss des alten Amtsgerichts, dann muss man nach den Stufen vor dem Eingang sofort wieder vier Stufen hochsteigen ( Eine High Tech Treppe, die auch als Hebebühne genutzt werden kann, falls man die Bedienung versteht, leider aber auch ein wenig störanfällig).

Untergeschoss:

Im Untergeschoss des Altbaus befinden sich ein Röntgenraum, eine nie bezogene Praxis für Podologie, sowie der ehemalige Raum eines HNO Arztes. Die Zugänge zu diesen Räumlichkeiten sind katastrophal eng (durch den Altbau) oder kompliziert und nicht wirklich barrierefrei (Fahrstuhl Webergasse + Treppenlift). Wobei der zweite Weg für die Podologie gar nicht zur Verfügung steht. Eine Vermietung als Praxisräume ist für die Zukunft überhaupt nicht vorstellbar und taucht im neuen Konzept auch so nicht mehr auf.

Ein neu eingebauter Schulungsraum im Untergeschoss soll im neuen Konzept zurückgebaut werden und als neuer barrierefreier Eingang dienen.

Die Deckenhöhen im Untergeschoss sind an vielen Stellen fragwürdig (ca. 2 Meter im Flur), die Atmosphäre in diesem Flur ist beklemmend. Viele Bereiche können nur als Lager- oder Nebenräume genutzt werden, da sie baulich einfach nicht die Anforderungen an eine Praxisnutzung erfüllen. Das entspricht auch den Räumen im Dachgeschoss, dass über eine Wendeltreppe aus dem zweiten Obergeschoss zu erreichen ist.

Erdgeschoss / Zugang:

Der vordere Zugang ist eine Farce, was aber schon von Anfang an gesagt wurde und was sich auch offensichtlich bestätigt hat. Eine komplett untaugliche Rampe mit zu kleinem Podest und die bekannten Bilder von beschämenden Patientenanlieferungen und Verkehrschaos. Die Müllsituation ist ebenfalls nicht zufriedenstellend, da der Müllcontainer der Dialysestation 70 Meter über die Straße ist.

Nach der Besichtigung ging es in das Rathaus zur Vorstellung des Lösungskonzeptes des Architekten. Dabei wurden folgende Punkte vorgeschlagen:

Parken:

  • Umbau Parkplatz / Reduzierung der Parkplätze / Verbreiterung der Fahrgassen /
  • Schaffung Behindertenparkplätze:                                            32.500 Euro
  • Im Parkhaus Bergstraße 2 werden 15 Parkplätze für das Ärztehaus geschaffen. Das Parkhaus ist schon dementsprechend entmietet.                                                      Kosten ?
  • Auf dem Reithausplatz werden 23 Parkplätze für Mitarbeite geschaffen.   Kosten?

Liegendanfahrt:

  • Beschneidung der Treppe, Rückbau der Rampe, Umbau des Daches, Umbau des Fahrstuhls,
    Aufbau eines Sichtschutzes zur Straße:                            177.000 Euro

Das Verkehrschaos kann damit nicht gelöst werden. Es muss versucht werden durch vorgegebene Timeslots die Anlieferung und Abholung zu optimieren, da keine Wartemöglichkeiten für die Anlieferfahrzeuge angeboten werden können.

Optimierung Müllentsorgung:

  • Einbau von halbunteridischen Müllcontainern in Front des Altbaus und Einhausung von Müllcontainern auf dem Parkplatz:                                                                        38.000 Euro

Behindertengerechter Eingang Untergeschoss (Seminarraum entfällt):   61.000 Euro

Podologie wird neuer Seminarraum:                                                                    45.500 Euro

Zusätzlich werden jetzt noch Mehrkosten für die Elektroinstallation in der Praxis Menzer erwartet (Statt 77.000 Plan ca. 116.000 Ist):                                                                                                                      39.000 Euro

Mängelbeseitigungen, die aktuell aufgenommen sind: 65.000 Euro

  • Fenster Praxis Weber (Absturzgefahr)
  • Erhöhung Geländer
  • Putzabplatzungen
  • Treppenlift Podologie
  • offene Decken-/Wanddurchbrüche
  • Defekte Glastürbeschläge
  • offene Fugen zwischen Türelementen und Fließen

Bisher nicht bezifferbare Mehrkosten können auch noch aus den Abrechnungen entstehen, da noch nicht alles abgerechnet ist.

Gesamtkosten bis hierhin: ca. 500.000 Euro

Offene Mängel, die noch nicht bepreist, aber bekannt sind:

  • großes Tor zum Parkplatz ist kaputt
  • 5 Außenlampen sind kaputt
  • Batteriewechsel der elektrischen Schließanlagen stehen an
  • Konzept für die elektrische Schließanlage muss überprüft und erweitert werden (500 Euro pro Schließzylinder).
  • Fehlende Fensterbänke müssen nachträglich eingebaut werden
  • und und und….

Resümee dieses Abends, bei dem alle Freunde des gepflegten Gruselns so wirklich voll auf ihre Kosten gekommen sind:

Das mystische Fass ohne Boden wurde endlich gefunden, wir Homberger können wirklich stolz darauf sein“

Herr Pfalz hat für den Bauausschuß eine Aufstellung aller bisher aufgelaufener Kosten für das Ärztehaus gefordert. Herr Pauli wird den Bürgermeister davon am Donnerstag in Kenntnis setzen.

Das alte Amtsgericht als Ärztehaus muss grundsätzlich in Frage gestellt werden. Anforderungen, die an ein Ärztehaus gestellt werden, werden zum Teil nicht oder nur unzureichend erfüllt. Bevor hier weitere Steuergelder, in noch nicht abzuschätzender Höhe investiert werden, müssen auch Alternativen überlegt werden. Das alternativlose Weitermachen nur um das Gesicht zu wahren kann keine Lösung sein. Auch die Entscheider von damals müssen erkennen und einsehen, dass das „Ärztehaus“ so wie es dasteht gescheitert ist. Unsere Nachbarstädte haben hervorragende Beispiele für wirklich moderne und gut funktionerende Ärztehäuser.

Heinrich Nistler
– Fraktionsvorsitzender Bürgerliste Homberg –

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