Jetzt Vorsorge treffen – gegen Schadstoffbelastung im Kindergarten-Neubau

Pressemitteilung der Bürgerliste Homberg / 23.02.2017

In den letzten Tagen sind die vorgefertigten Holzbauelemente des Kindergartens in der Altstadt zwischen Weber- und Salzgasse aufgestellt worden. Diese Bauteile bestehen aus einem hohen Anteil an verleimten Grobspanplatten, auch als OSB-Platten bekannt.

Obwohl dieser Baustoff zugelassen ist, kann er Probleme durch das Ausdünstungen von Leimbestandteilen bereiten, die gefährliche gesundheitliche Auswirkungen haben können. Die Gefährdung steigt mit der Menge des verbauten Materials. Nach langer Zeit dünsten die flüchtigen Stoffe zwar aus, das setzt aber voraus, dass ständig gut gelüftet wird. Bei einem Neubau wird aber immer eine hohe Luftdichtigkeit aufgrund gesetzlicher Vorgaben (Energieeinsparverordnung) erzielt. Der noch wachsende Organismus der Kinder ist stärker gefährdet als der von Erwachsenen mit einem ausgebildeten Immunsystem. Die Probleme sind  dem Umweltbundesamt, dem Bundesamt für Materialprüfung und den Unfallkassen der Länder bekannt.

Kürzlich wurde von  den Medien ein gravierender Fall eines Kindergartenneubaus in Wallerfangen berichtet. Ein Kindergartenneubau in vergleichbarer Bauweise wie in der Homberger Altstadt wies so hohe Belastungen in der Innenraumluft auf, dass er vorübergehend geschlossen werden musste. Die nachfolgende Sanierung brachte nicht den erhofften Erfolg. Jetzt wird die Gemeinde wohl einen neuen Kindergarten bauen und den „alten neuen“ zurückbauen und entsorgen müssen.

Angesichts dieser Gefährdungslage hält die Bürgerliste Homberg es für dringend geboten, schon jetzt Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.

Dazu gehört eine Laboranalyse der verbauten Platten, um festzustellen mit welchen Leimen gearbeitet wurde und welche Stoffe ausdünsten werden. Die Leimzusammensetzung variiert zwischen den verschiedenen Herstellern.

Des weiteren ist das Lüftungskonzept des Gebäudes zu prüfen, ob damit  ausreichend die Schadstoffe in der Raumluft abtransportiert werden.

Weiterhin sind in den Räumen regelmäßige Schadstoffmessungen vorzunehmen – schon während der Zeit des Innenausbaus –  um Veränderungen feststellen zu können.

Letztlich ist auch einzuplanen, dass der Bau solange intensiv gelüftet werden muss, bis er  gefahrlos in Betrieb genommen werden kann.

Ohne ausreichende Vorsorge ist es den Eltern nicht zuzumuten, ihre Kinder in einen solchen Kindergarten zu geben, bei dem nicht diese Gefährdung sicher ausgeschlossen werden kann.

In der Geschichte des Bauens gab es immer wieder Baustoffe, die sich anfänglich als praktisch aber langfristig als schädlich herausstellten: Blei in den Trinkwasserleitungen, Asbest in verschiedensten Verwendungsformen und Kleber im Bau, Mineralwolle (bis Einbau ca. 1999) und Styroporplatten (EPS) für die Wärmedämmung, die als Sondermüll entsorgt werden müssen. Die Analyse des ehemaligen Krankenhausgebäudes deckte aktuell einen großen Giftcocktail auf, der den Gebäudeabriss erheblich verteuert. In Homberg können wir froh sein, noch viele Bauten aus Fachwerk und Lehm zu haben, eine ideale Baustoffkombination, dabei energiesparend und nachhaltig.

Delf Schnappauf
Vorsitzender der Wählergemeinschaft Bürgerliste Homberg

1 Gedanke zu “Jetzt Vorsorge treffen – gegen Schadstoffbelastung im Kindergarten-Neubau

  1. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer „Warnung“ – wir verweisen seit Jahren auf die Problematik sorgloser Baustoffauswahl beim Bau von Schulen und Kitas
    und unqualifizierter Ausschreibungen.
    Immer wieder verlassen sich Planer, Architekten auf diverse „Herstelleraussagen“ wie schadstofffrei, formaldehydfrei, lösemittelfrei u.a. sowie auf sehr oft unvollständig prüfende „Gütezeichen“,
    ohne die eigentlichen Schadstoffprüfberichte von den Herstellern einzufordern.
    Siehe dazu auch „News“ vom 26.02.2017 auf unserer Homepage.

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