Naturkindergarten, kein Waldkindergarten

Die Bürgerliste befürwortet einen Kindergarten in der Natur, wenn die Bedingungen des Naturschutzes berücksichtigt werden.
Wir haben aber erhebliche Bedenken bei dem  geplanten Kindergarten in der Salzgasse: Hohe Baukosten, ungünstige Bedingungen für Kinder und erschwerte Bedingungen für ErzieherInnen. 

Solange ein Naturkindergarten als Waldkindergarten bezeichnet wird, ist es eine Irreführung der Öffentlichkeit.

Dr. Ritz nannte das Homberger Konstrukt einer Kindergartengruppe an der Stadtmauer einen „Waldkindergarten light“. Das zeigt, dass dieser Kindergarten nicht als echter Waldkindergarten betrachtet wird – für einen echten Waldkindergarten gibt es genaue Vorschriften und eine Vorlaufzeit von ca. zwei Jahren. (Aussage vom Verband der Waldkindergärten) Nach außen wird in Homberg aber weiterhin von einem Waldkindergarten gesprochen, eine bewußte Täuschung?

Dabei gibt es statt des unkorrekt benutzten Begriffs „Waldkindergarten“ den zutreffenden Namen „Naturkindergarten“. Wo sich Waldkindergärten nicht umsetzen lassen, ist ein Naturkindergarten ein gutes Konzept.

Leider ist es in Homberg weder ein Waldkindergarten, noch ein echter Naturkindergarten. Der Waldkindergarten sollte ursprünglich den geplanten Altstadtkindergarten attraktiv machen, der nur ein kleines Freigelände hat. Jetzt soll er einAusflugsziel für die Kinder des Altstadtkindergartens sein.
Dadurch entsteht eine Situation, in der die Kinder des Naturkindergartens beeinträchtigt werden, weil die Kinder der Kita ganz andere Spielabläufe haben. Wenn sich die Gruppen mischen,  kann es zu Konflikten zwischen den Kindern kommen.

Homberg hätte die Chance gehabt, die jetzt benötigten Kindergartenplätze schnell, kostengünstig und innovativ zu schaffen:

– Ein echter Naturkindergarten mit 20 Plätzen im Stadtbereich, um die Warteliste für Kindergartenplätze zu verkürzen.

Ein Kindergarten in Modulbauweise in der Nähe einer Grundschule. Er könnte auch verkleinert werden, wenn später weniger Plätze gebraucht werden.

Ein echter Waldkindergarten nach vorhandenem Konzept in Wernswig. 20 Plätze, die schnell bereitgestellt werden können. Vor einigen Jahren hätten sich genug Kinder für den Waldkindergarten gefunden, bei entsprechender Vorstellung des Konzeptes würde das sicher wieder gelingen.

In einer Informationsveranstaltung der Stadt haben viele Eltern die Alternative  „Waldkindergarten Altstadt“ gewählt – er wurde ihnen als echter Waldkindergarten vorgestellt. Wenn die Besonderheiten eines echten Waldkindergartens dargestellt werden, wäre für interessierte Eltern der „Waldkindergarten Wernswig“ eine Alternative.

Bedenken beim Altstadt-Kindergarten

Die Bürgerliste hat große Bedenken, was den Standort des Altstadt-Kindergartens betrifft. Für die Kinder werden ungünstige Bedingungen in Kauf genommen, um eine erhoffte Belebung der Innenstadt zu erreichen.

Für eine Gemeinde unter dem Schutzschirm wäre es angebracht, eine kostengünstigere Bauweise zu wählen, wie einen ebenerdigen Kindergarten in Modulbauweise in der Nähe der Stellberg-Grundschule, der ohne Aufzug auskommt.


Knappe Freifläche im Altstadtkindergarten sollte durch den „Waldkindergarten“ kompensiert werden.
Der Altstadt-Kindergarten wird eine Freifläche von 650 qm haben. Pro Kind gibt es eine Fläche von 8 qm. Niedersachsen schreibt 12 qm pro Kind vor, an anderer Stelle wurden von 7 – 10 qm genannt. Die Freifläche ist also knapp bemessen.

Zu Beginn der Planung schien die Freifläche zu knapp, deshalb wurden zwei Standorte einer externen Freifläche genannt: Ein Gelände in der Nähe der Kita, das aber zu steil abfällt, und das ca. 250 m entfernte Gelände hinter der Stadtmauer, auf der jetzt ein „Waldkindergarten light“ errichtet wird.

Alle 80 Kinder des Altstadtkindergartens könnten jedoch nicht täglich dieses Freigelände nutzen, dafür ist der dafür vorgesehene Teil des „Waldkindergartens“ zu begrenzt.  Deshalb hieß es dann, jede Gruppe könnte an einem anderen Wochentag zu diesem Freigelände gehen.

Ob das auch bei schlechtem Wetter geschehen würde, ist fraglich. Die Kinder eines normalen Kindergartens sind nicht daran gewöhnt, bei Wind und Regen im Freien zu sein. Wenn sie nur an einem Tag in der Woche auf dem Freigelände sind, tritt auch nicht der Abhärtungseffekt ein, wie bei „Waldkindern“. Eltern können zu Recht darauf dringen, dass die Kinder bei schlechtem Wetter drinnen bleiben, da sie nicht die Schutzkleidung haben.  Schließlich gehen ihre Kinder nicht in einen Waldkindergarten, sondern in eine normale Kita.

Inzwischen ist den Planern wohl klar geworden, dass auch dieses Konzept nicht realistisch ist. Jetzt ist nicht mehr davon die Rede, dass das Gelände hinter der Stadtmauer regelmäßig genutzt werden soll, es ist nur noch von einem Ziel für gelegentliche Ausflüge die Rede. Für die Kinder des Altstadtkindergartens bleibt also nur der relativ kleine Hof.

Außer der knappen Bewegungsfläche kommen noch gesundheitliche Einschränkungen hinzu:

Vitamin D3 Mangel durch zu wenig Sonnenlicht
Der menschliche Körper kann Vitamin D3 nur durch direkte Sonnenbestrahlung bilden. An den Tagen, an denen die Kinder nur auf dem Hof der Altstadt-Kita spielen können, bekommen sie kaum direktes Sonnenlicht, weil der Hof nach Nord-Osten liegt und zudem durch die umliegenden Gebäude verschattet wird. Eltern müssten nach der Kita viel Zeit mit ihren Kindern draußen verbringen, denn für Vitamin D3 Bildung ist nachmittags mehr Zeit nötig als in der Mittagszeit.

Die knappe Freifläche wird eher dazu führen, dass nicht alle Kinder gleichzeitig draußen sind. Wenn nicht gerade schönes Wetter ist, werden die Erzieherinnen wohl auch gern mit einer Gruppe in den Räumen bleiben. Wenn auf der relativ  engen Freifläche weniger Kinder sind,  ist es für Erzieherinnen und Kinder stressfreier.

Es besteht die Gefahr, dass sich die Kinder zu viel in den Gruppenräumen aufhalten, die nach Nord-Osten gehen und kaum Sonnenlicht haben, oder in den Funktionsräumen, die durch die Nachbargebäude verschattet sind. Das führt zu weiteren gesundheitlichen Auswirkungen:

Kurzsichtigkeit durch zu wenig Tageslicht   www.deutschlandfunk.de: 
Auf dem Augenärzte-Kongress im Juni 2016 in Nürnberg:
„Die Kurzsichtigkeit von Kindern hat in Deutschland deutlich zugenommen.“ Die Ärzte empfehlen, „dass Kinder und Jugendliche mindestens zwei Stunden am Tag draußen im Freien verbringen. Denn das Tageslicht ist ein wichtiger Schutz vor Kurzsichtigkeit:
Da wird mehr Dopamin ausgeschüttet und das Tageslicht führt dazu, dass das Längenwachstum des Augapfels zum Stillstand kommt. Das heißt, der Augapfel wächst nicht mehr in die Länge. Das normale Auge hat eine Länge von 24,2 Millimetern, und wenn das darüber hinaus geht, umso stärker die Kurzsichtigkeit.“

 

Kinderbetreuungsplätze werden gebraucht, sie könnten schnell geschaffen werden

Die Bürgerliste fordert:

  • Um eine zeitliche Verzögerung zu vermeiden, soll die Stadtverwaltung bei der Kreisverwaltung parallel zwei Anträge einreichen: Zusätzlich zu der Planung einer Kita in der Landesfeindschen Scheune soll eine zweiten für den Standort Stellberg eingereicht werden. Wenn ein Kindergartenbau in der Altstadt zu viele Probleme macht, sollte eine Alternative entwickelt werden.
  • Die neuen Stadtverordneten sollten bei der noch ausstehenden Grundsatzentscheidung zum Kauf des Landesfeindschen Anwesens bedenken:

Kosten für das hoch verschuldete Homberg unter dem „Schutzschirm“
Es ist unklar, ob der Besitzer des Anwesens nur die Scheune für den eingeplanten Preis von 50.000 Euro verkaufen wird. Sein daneben liegendes Wohnhaus würde an Wert verlieren, wenn Außengelände und PKW-Stellplätze wegfallen. Die Kita in der Altstadt könnte sich dadurch weiter verteuern.

Sanierung und Ausbau einer Scheune könnte durch unvorhersehbare Probleme deutlich teurer werden als geplant – beim Ärztehaus war zu sehen, wie teuer ein Umbau werden kann.

Nur durch ein neu errichtetes Gebäude für eine Art Waldkindergarten im  „Dithmarschen Gartens“ lässt sich genügend Freigelände für die Altstadt-Kita nachweisen.   Das würde die Kosten noch einmal um mehr als 100.000 Euro erhöhen.

Eine Finanzierung aus mehreren Töpfen kann weitere Probleme aufwerfen:  Stadtumbau West Denkmalförderung, und KiGa-Förderung sollen herangezogen werden.

Ein Neubau am Stellberg in Modulbauweise kann zu einer Einsparung von mehr als einer Million Euro führen.

Zeitplan
In Homberg müssen kurzfristig ca.  600 Kindergartenplätze zur Verfügung stehen.
Sanierung und Bau in der Landesfeindschen Scheune wird auch bei günstigsten Bedingungen deutlich länger dauern als ein Neubau.
Ein Neubau in Modulbauweise könnte noch schneller errichtet werden.

Der  geplante „Waldkindergarten“ im Dithmarschen Garten ist einzügig geplant. Trotz zusätzlicher Kosten bringt er nur für wenige Kinder Platz.

Freigelände
Ein Freigelände  ca. 200 Meter vom Kindergarten entfernt ist für Kinder und Erziehrinnen unzumutbar. Es wird dazu führen, dass das Außengelände nur gelegentlich genutzt wird und der Kita-Tag überwiegend drinnen stattfindet.
Die Gruppenräume liegen nach Nord-Osten und haben nur sehr früh morgens Sonne.
Auch das kleine Freigelände vor der Kita ist durch enge Bebauung meist verschattet. Das ist gesundheitlich bedenklich, Menschen brauchen Luft und Sonne.
Wenn sich die Kinder des „Waldkindergartens“ das Gelände mit den 80 Kindern des Altstadtkindergartens teilen müssen, kann das zu Konflikten führen.
Der Wanderweg, der jetzt durch das Freigelände führt, könnte so nicht weiter genutzt werden. Ein Kindergarten braucht zur Straße hin ein Tor, das verschlossen werden kann. Wanderer würden das nicht immer zuverlässig tun.

Verkehrsprobleme
In den engen Gassen der Altstadt wird Bringen und Abholen von 80 Kindern schwierig werden und zu Stress bei Eltern führen. Die Anwohner in den umliegenden Straßen werden ebenfalls Park-Probleme haben, wenn morgens und abends Kinder gebracht und abgeholt werden.

Innenstadtbelebung
Berufstätige Eltern haben keine Zeit, morgens Einkäufe zu erledigen. oder ins Café zu gehen. Die Geschäfte der Innenstadt öffnen zudem erst dann, wenn die meisten Kinder schon gebracht wurden. Wenn die Kinder abgeholt werden, sind sie oft müde und entspanntes Stöbern in kleinen Geschäften ist nicht möglich. Nur schnell  Lebensmittel einkaufen ist dann noch möglich. Die Innenstadt wird nicht profitieren.

Bedarf an Kindergartenplätzen
Das Jugendamt Homberg regte einen vier bis fünfgruppigen Kindergarten an, möglichst in eingeschossiger Bauweise, um den aktuellen Bedarf an Kindergartenplätzen zu decken.
Ein Ausbau in der Scheune der Altstadt kann frühestens in eineinhalb Jahren fertig sein.
Ein Neubau in Modulbauweise kann sehr viel schneller und kostengünstiger errichtet werden.

Um schnell Kindergartenplätze zur Verfügung zu stellen, könnte ohne große Kosten ein Waldkindergarten in Wernswig eingerichtet werden. Planungsunterlagen liegen vor und können aktualisiert werden.
Durch die Vormittagsgruppe eines Waldkindergartens könnte auch der Standort des Kindergartens in Hombergs größtem Stadtteil Wernswig gestärkt werden:
Die Kinder könnten dort die Nachmittagsbetreuung  besuchen.
Eine naturnahe Kindergartengruppe in der Altstadt würden dagegen über 100.000 Euro kosten, da dort feste Gebäude errichtet werden sollen.

Nachhaltige Planung
Als langfristige Lösung lässt sich ein  Kindergarten in Modulbauweise flexibel an den Bedarf an Betreuungsplätzen anpassen:  Bei Bedarf können  neue Module angebaut werden, es können aber auch Module wieder abgebaut und verkauft werden, wenn einmal weniger Plätze benötigt werden. Diese Bauweise ist die nachhaltigste Lösung.