Bedenken beim Altstadt-Kindergarten

Die Bürgerliste hat große Bedenken, was den Standort des Altstadt-Kindergartens betrifft. Für die Kinder werden ungünstige Bedingungen in Kauf genommen, um eine erhoffte Belebung der Innenstadt zu erreichen.

Für eine Gemeinde unter dem Schutzschirm wäre es angebracht, eine kostengünstigere Bauweise zu wählen, wie einen ebenerdigen Kindergarten in Modulbauweise in der Nähe der Stellberg-Grundschule, der ohne Aufzug auskommt.


Knappe Freifläche im Altstadtkindergarten sollte durch den „Waldkindergarten“ kompensiert werden.
Der Altstadt-Kindergarten wird eine Freifläche von 650 qm haben. Pro Kind gibt es eine Fläche von 8 qm. Niedersachsen schreibt 12 qm pro Kind vor, an anderer Stelle wurden von 7 – 10 qm genannt. Die Freifläche ist also knapp bemessen.

Zu Beginn der Planung schien die Freifläche zu knapp, deshalb wurden zwei Standorte einer externen Freifläche genannt: Ein Gelände in der Nähe der Kita, das aber zu steil abfällt, und das ca. 250 m entfernte Gelände hinter der Stadtmauer, auf der jetzt ein „Waldkindergarten light“ errichtet wird.

Alle 80 Kinder des Altstadtkindergartens könnten jedoch nicht täglich dieses Freigelände nutzen, dafür ist der dafür vorgesehene Teil des „Waldkindergartens“ zu begrenzt.  Deshalb hieß es dann, jede Gruppe könnte an einem anderen Wochentag zu diesem Freigelände gehen.

Ob das auch bei schlechtem Wetter geschehen würde, ist fraglich. Die Kinder eines normalen Kindergartens sind nicht daran gewöhnt, bei Wind und Regen im Freien zu sein. Wenn sie nur an einem Tag in der Woche auf dem Freigelände sind, tritt auch nicht der Abhärtungseffekt ein, wie bei „Waldkindern“. Eltern können zu Recht darauf dringen, dass die Kinder bei schlechtem Wetter drinnen bleiben, da sie nicht die Schutzkleidung haben.  Schließlich gehen ihre Kinder nicht in einen Waldkindergarten, sondern in eine normale Kita.

Inzwischen ist den Planern wohl klar geworden, dass auch dieses Konzept nicht realistisch ist. Jetzt ist nicht mehr davon die Rede, dass das Gelände hinter der Stadtmauer regelmäßig genutzt werden soll, es ist nur noch von einem Ziel für gelegentliche Ausflüge die Rede. Für die Kinder des Altstadtkindergartens bleibt also nur der relativ kleine Hof.

Außer der knappen Bewegungsfläche kommen noch gesundheitliche Einschränkungen hinzu:

Vitamin D3 Mangel durch zu wenig Sonnenlicht
Der menschliche Körper kann Vitamin D3 nur durch direkte Sonnenbestrahlung bilden. An den Tagen, an denen die Kinder nur auf dem Hof der Altstadt-Kita spielen können, bekommen sie kaum direktes Sonnenlicht, weil der Hof nach Nord-Osten liegt und zudem durch die umliegenden Gebäude verschattet wird. Eltern müssten nach der Kita viel Zeit mit ihren Kindern draußen verbringen, denn für Vitamin D3 Bildung ist nachmittags mehr Zeit nötig als in der Mittagszeit.

Die knappe Freifläche wird eher dazu führen, dass nicht alle Kinder gleichzeitig draußen sind. Wenn nicht gerade schönes Wetter ist, werden die Erzieherinnen wohl auch gern mit einer Gruppe in den Räumen bleiben. Wenn auf der relativ  engen Freifläche weniger Kinder sind,  ist es für Erzieherinnen und Kinder stressfreier.

Es besteht die Gefahr, dass sich die Kinder zu viel in den Gruppenräumen aufhalten, die nach Nord-Osten gehen und kaum Sonnenlicht haben, oder in den Funktionsräumen, die durch die Nachbargebäude verschattet sind. Das führt zu weiteren gesundheitlichen Auswirkungen:

Kurzsichtigkeit durch zu wenig Tageslicht   www.deutschlandfunk.de: 
Auf dem Augenärzte-Kongress im Juni 2016 in Nürnberg:
„Die Kurzsichtigkeit von Kindern hat in Deutschland deutlich zugenommen.“ Die Ärzte empfehlen, „dass Kinder und Jugendliche mindestens zwei Stunden am Tag draußen im Freien verbringen. Denn das Tageslicht ist ein wichtiger Schutz vor Kurzsichtigkeit:
Da wird mehr Dopamin ausgeschüttet und das Tageslicht führt dazu, dass das Längenwachstum des Augapfels zum Stillstand kommt. Das heißt, der Augapfel wächst nicht mehr in die Länge. Das normale Auge hat eine Länge von 24,2 Millimetern, und wenn das darüber hinaus geht, umso stärker die Kurzsichtigkeit.“

 

Für sechzig Kinder fehlen Betreuungsplätze

Vom Kindergarten-Außengelände durch die Webergasse zurück zum Kindergarten in der Altstadt. (17 % Gefälle)

60 Kinder und ihre Eltern warten auf einen Kindergarten- oder Krippenplatz. Seit einigen Jahren zeichnet sich diese Entwicklung ab. Jetzt plant der Magistrat eilig einen Neubau in der Innenstadt – ohne Außengelände (Landesfeindsche Scheune). Dieser kann frühestens in zwei Jahren fertig sein. Eltern können Schadensersatz von der Stadt einklagen, wenn sie jetzt keinen Betreuungsplatz bekommen.

Eine Lösung für den aktuellen Bedarf muss jetzt gefunden werden, zum Beispiel durch:

# Tageseltern: Wie viele Plätze gibt es, wie viele werden in Kürze frei?

# Waldkindergarten: Dafür wurde schon vor zwei Jahren ein Konzept erarbeitet. In Wernswig sind Voraussetzungen und Organisation geklärt, es kann schnell angefangen werden. Eltern, die den Waldkindergarten wählen, machen Plätze in den anderen Kindergärten frei.

# Nutzung vorhandener Räume: In Wernswig zum Beispiel liegen Grundschule und Kindergarten zusammen, ausreichend Räume stehen leer. Kindergarten und Grundschule sind einverstanden, dass mit kleineren Umbauten schnell Platz für zwei weitere Gruppen geschaffen wird.

Kindergarten-Neubau

Aktuelle Zahlen des Kreises zeigen, dass die Anmeldungen für Kindergarten-/ Krippenplätze steigen. Außerdem besteht in einigen vorhandenen Homberger Kindergärten Überbelegung.

Schon 2013 stand ein Neubau auf der Tagesordnung, bisher ist nichts geschehen. Jetzt wurden durch eine Voruntersuchung bestehende und zusätzliche Standorte geprüft. Die Kindergärten in Hülsa und Wernswig wurden ohne Begründung bei der Untersuchung ausgeschlossen. Für eine verantwortliche Planung müssen alle Bedingungen berücksichtigt werden. Ein Kindergartenbau ist eine langfristige Investition. Nicht nur die Baukosten, sondern auch Folgekosten und Möglichkeiten zur Anpassung an veränderte Bedingungen sind zu beachten.

Ein Kindergarten ohne ein eigenes Freigelände wie bei der Landesfeindschen Scheune ist für Kinder eine erhebliche Einschränkung. Für Erzieherinnen und Erzieher bedeutet es eine hohe Belastung. Nur wenn die Arbeit durch gute räumliche Organisation unterstützt wird, lässt sich langfristig Fachpersonal halten und gewinnen.

Die Planung eines Kindergartens muss von den Bedürfnissen der Kinder, der Eltern und der Erzieherinnen und Erzieher ausgehen und darf nicht vorrangig der Belebung der Innenstadt dienen – wie es Homberger Politiker im Moment diskutieren.

Die Bürgerliste lädt zum 6. Bürgergespräch in das Gasthaus Krone ein. Mittwoch, 17. Februar, 18 Uhr. Fragen und Anregungen gern an buergerliste-homberg@t-online.de

Der frühe Termin berücksichtigt die Veranstaltung zu „Suedlink“ später am Abend.